5. Variante der SCR-Technik
Kombination Oxidationskatalysator / SCR-Katalysator
Die Möglichkeit, die Kinetik der SCR-Reaktion
am Katalysator durch Veränderung des NO / NO2-Verhältnisses
günstig zu beeinflussen, ist seit 1979 [7] bekannt und wurde auf dem Wiener
Motorensymposium 1998 wieder aufgenommen [8,9] und eingehend diskutiert.
Das durch einen vorgeschalteten Oxidationskatalysator
aus NO erzeugte NO2 beschleunigt die SCR-Reaktion, wenn der
NO2-Anteil £ 50% beträgt. Die daraus resultierende Umsatzzunahme
ist beispielhaft in Abb. 13 gezeigt. Sie kann unter geeigneten Bedingungen
zu mehr als einer Verdoppelung des NOx-Umsatzes führen. Bei höheren NO2-Anteilen
als 50% wird die Reaktion ungünstig beeinflußt. Reines NO2
reagiert mit NH3 am SCR-Katalysator wesentlich langsamer als
NO. Somit kann die Kombination Oxidationskatalysator / SCR-Katalysator
prinzipell zu deutlich höheren Reaktionsraten führen.
Diese Erkenntnisse sind das Ergebnis empirischer
Untersuchungen. Der Mechanismus der SCR-Reaktion mit einem NO / NO2-Gemisch
und Ammoniak als Reduktionsmittel ist noch nicht geklärt. Prinzipiell
ist natürlich dieser Effekt unabhängig von der Methode, wie das NO2
im Abgas angereichert wird. Im mobilen Einsatz ist allerdings die Verwendung
eines Oxidationskatalysators die zur Zeit pragmatischste Lösung, obgleich
für die Zukunft schon alternative Möglichkeiten, wie z.B. die plasmainduzierte
NO2-Erzeugung diskutiert werden [10].
Beim gegenwärtigen Vorgehen treten in Abhängigkeit
des Schwefelgehalts im Kraftstoff jedoch auch Nebenreaktionen auf, da
am Oxidationskatalysator neben der NO-Oxidation mit vergleichbaren Umsatzraten
auch SO2 zu SO3 oxidiert wird.
Unterhalb etwa 290°C bilden sich Ammoniumsulfate
aus SO3 und NH3. Bei Temperaturen unterhalb 170°C
ist die Bildung von Ammoniumnitrat aus NO2 und NH3
im feuchten Abgas möglich. Sowohl Ammoniumnitrat als auch -sulfat (bzw.
-hydrogensulfat) läßt sich bei höheren Temperaturen wieder zersetzten,
allerdings kann bei längerem Betrieb im unteren Temperaturbereich (< 290°C)
der dem Oxidationskatalysator nachgeschaltete SCR-Katalysator durch die
o.g. Ablagerungen in seiner Funktionsweise beeinträchtigt werden. Dies
betrifft SCR-Katalysatoren verschiedener Typen in gleicher Weise. Die
Problematik der Sulfatablagerungen wird in dem Maße gemindert, wie der
Schwefelgehalt im Kraftstoff reduziert wird. |
8. Literatur
[1] Quelle: TREMEOD, IFEU Heidelberg 1998.
[2] Interinstitutionelles Dossier des Rates der Europäischen
Union Nr. 97/0350 (COD) vom 18. März 1999.
[3] M. Koebel, 3. Dresdner Motorenkolloquium 20.-21. März
1999 Vor- und Nachteile stickstoffhaltiger Reduktionsmittel
beim Einsatz in mobilen SCR-Systemen.
[4] Fränkle, G., Held, W., Hosp, W., Knecht, W., Hofmann,
L., Mathes, W., Neufert, R., Zürbig, J.: SINOx - Ein Abgasreinigungssystem
für Nutzfahrzeuge, 18. Wiener Motorensymposium 1997.
[5] Mathes, W., Zürbig, J., Hofmann, L., Dölling, W.: SINOx
Catalyst for Commercial Vehicles, NOx Abatement for Heavy
Duty Trucks in a Road Test, Agelfi 13th European Automotive
Symposium, Sevilla, 1998.
[6] Dölling, W.,Mathes, W.: Pilotprojekt Diesel-DeNOx-Katalysator
mit 8 mit GDK-Systemen der Fa. Siemens ausgerüsteten Lkw,
Vom Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und
Umweltfragen gefördertes Vorhaben Nr. 8014-7/32A, Abschlußbericht,
Nov. 1998.
[7] Patentschrift JP P86049-77 bzw. DE 2832002.
[8] Aust, M., Tost, R., Wißler, G., Fischer, S., Zürbig,
J.: Abgasnachbehandlungssystem zur Erfüllung von EURO IV-Grenzwerten
bei PKW-Dieselmotoren; 19. Wiener Motorensymposium 1998.
[9] Jacob, E., Emmerling, G., Döring, A., Graf, U., Harris,
M., van den Tillaart, J., Hupfeld, B.: NOx-Verminderung für
Nutzfahrzeugmotoren mit Harnstoff-SCR-Kompaktsystemen; 19.
Wiener Motorensymposium 1998.
[10] Th. Hammer, S. Bröer, Plasma-Enhanced Selective Catalytic
Reduction of NOx for Diesel Cars, SAE 982428 (1998). |