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Einsatz technischer Keramik in der Chemietechnik:
Härte Zeigen
von Dipl.-Ing. Martin Hartmann
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Keramische Werkstoffe sind hart im Nehmen. Sie
sind verschleißfest, mechanisch und thermisch stabil und zudem außerordentlich
beständig gegenüber fast allen Säuren und Laugen. Mit diesen Eigenschaften
sind sie vielen Werkstoffen überlegen und daher besonders für Anwendungen
in der Chemie die Wahl Nr. 1.
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| Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 46.000 Tonnen technische
Keramik hergestellt, das waren acht Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dabei
lag der Umsatz bei 800 Millionen Mark - mit steigender Tendenz. Obwohl Metalle
und Kunststoffe seit langem in der Werkstoffszene etabliert sind, entwickelt
sich die technische Keramik zunehmend zur leistungsstarken Alternative.
Insbesondere Aluminiumoxid gehört mittlerweile zu den weit verbreiteten
Werkstoffen. Dies ist einleuchtend, glänzt Aluminiumoxid doch durch seinen
angemessenen Kilopreis, der auf vergleichsweise niedrige Rohstoffkosten
und auf die relativ "einfache" Fertigungstechnologie zurückzuführen
ist. Daher wird Aluminiumoxid-Keramik vor allem bei großen Flächen, wie
die Auskleidung von Rutschen, Mühlen und Trichtern eingesetzt. Zirkonoxid,
das eine außergewöhnlich hohe Festigkeit besitzt, hat einen Anteil von sieben
Prozent bei den Keramikwerkstoffen. Siliciumcarbid, das schon lange Zeit
als Brennhilfsmitttel in der Feuerfestindustrie und der Feinkeramischen
Industrie verwendet wird, kommt als Konstruktionswerkstoff mit gutem Erfolg
zu Einsatz. Dieser Werkstoff besitzt ausgezeichnete Gleit- und Verschleißeigenschaften.
Daher ist Siliciumcarbid geradezu prädestiniert für Lager in Gleitringdichtungen
von Pumpen und Rührwerken.
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| Obwohl die Technische Keramik seit langem in der Industrie eingesetzt
wird und sich dort Standardanwendungen erobert hat, ist der Umgang mit ihr
keineswegs selbstverständlich. Dies macht sich vor allem bei den konstruktiven
Details bemerkbar: Zu oft wird aus mangelnder Routine ignoriert, daß das
Konstruieren mit Keramik anderen, eigenen Regeln folgt. Ein Standardfehler:
Man kann im Gegensatz zu einem Wechsel von einem Metall zu einem
anderen beim Wechsel zur Keramik nicht einfach die ursprüngliche
Zeichnung 1:1 in ein Bauteil übertragen. Vielmehr muß der Konstrukteur die
technischen Elemente mehr oder weniger neu entwerfen und dabei die keramikgerechten
Konstruktionsrichtlinien beachten (s.a. Text im Kasten). Eine weitere Besonderheit
der Keramik ist, daß sie ihre Grundform ('Grünkörper' genannt) bereits vor
dem eigentlich werkstoffbildenden thermischen Prozeß erhält. Das Problem:
Beim Brennen des geformten Bauteils setzt noch ein Schwindungsprozeß ein,
bis der eigentliche keramische Werkstoff vor liegt. Nicht nur das Schwundmaß
muß bei der Auslegung bereits eingerechnet werden, diese Eigenart beeinflußt
in entscheidendem Maße auch die Konstruktion keramischer Bauteile! |
Im Pumpenbau bewährt
Im Pumpenbau stellt Keramik schon seit längerem
seine positiven Eigenschaften unter Beweis. So schützt Keramik im Gehäuse
von Kreiselpumpen vor Verschleiß, gleichzeitig wird der Werkstoff zur
Lagerung und Abdichtung von Wellen eingesetzt. Speziell Siliciumcarbid
war wegen seiner hohen Verschleißfestigkeit, der guten thermischen Leitfähigkeit
und der chemischen Beständigkeit in vielen Fällen gegenüber Metall die
bessere Alternative. Hervorzuheben ist der Einsatz in Gleitringdichtungen.
Eine der wichtigsten Anforderungen an eine Gleitringdichtung ist die geringe
Leckage. Dieses Kriterium erreicht man über einen definierten Dichtspalt.
Wegen der geringen Reibung und der hohen thermischen Leitfähigkeit der
Keramik begrenzt man so von vornherein die Wärmeentwicklung im Dichtspalt.
Durch die geringe thermische Dehnung und dem hohen Elastizitätsmodul entstehen
nur geringe Verformungen. Der Dichtspalt verändert sich somit auch bei
hohen Temperaturen kaum. Gegen eventuell vorhandene Feststoffpartikel
im Schmiermedium sind keramische Werkstoffe ebenfalls immun: Da Siliciumcarbid
sehr hart ist, können solche abrasive Verunreinigungen keine Schäden verursachen.
Das gleiche gilt für den Betrieb in korrosiven Medien, wobei hier das
drucklos gesinterte Siliciumcarbid in starken Laugen und Flußsäure den
Werkstoffen mit freiem Silicium (SiSiC und SiSiC-C) vorzuziehen ist.
Bei sogenannten Hart-Hart-Paarungen bestehen beide Dichtungen aus Siliciumcarbid.
Bei Dichtungen, die zeitweise oder ständig ohne Flüssigschmierung betrieben
werden, verringert ein graphithaltiger Ring, der gegen den Gleitring aus
Siliciumcarbid läuft, die Reibung.
Bei Mischreibung haben sich als Gegenringmaterialien Siliciumcarbid-Graphit-Verbünde
und bei Trockenlauf Kohlegraphit (Hart-Weich-Paarung) bewährt. Aus den
gleichen Überlegungen greift man auch in Rührwerken immer häufiger auf
Gleitringdichtungen aus Keramik zurück. |
| Keramische Plunger und Kolben für Hochdruck- und Dosierpumpen, die aggressive
Medien fördern, stehen ebenfalls ganz oben auf der Verwendungsliste der
technischen Keramik. Hier überzeugen nicht nur die positiven Gleiteigenschaften,
sondern auch die Formgenauigkeit und die Oberflächengüte. Beides wirkt positiv
auf die Laufruhe und trägt zu einer hohen Funktionssicherheit und einer
langen Standfestigkeit (sprich Lebensdauer) bei. |
Keramik für Exzenterschneckenpumpen
In Hinsicht auf die Lebenszykluskosten
(Life-cycle-Kosten) sind für Exzenterschneckenpumpen besonders Rotoren
aus massivem SiC interessant. Exzenterschneckenpumpen fördern sowohl sensible
als auch abrasive Medien. Bisher wurden die Rotoren aus Stählen - von
ST 37 bis Hastelloy - hergestellt, die in einer abrasiven Umgebung entsprechend
schnell in Mitleidenschaft gezogen wurden. In diesem Fall half meist nur
noch der komplette Austausch von Rotor und Stator. Mit keramischen Werkstoffen
läßt sich die Standzeit erheblich verlängern. Keramik besitzt gegenüber
Stahl eine deutlich höhere Härte (ca. 2800 HV); Hartmetall weist eine
Härte von 2000 HV auf, gehärteter Stahl sogar nur 500 HV. Zugleich ist
Keramik leicht, weil ihre Dichte nur 40 Prozent der von Stahl besitzt,
und zusätzlich chemisch äußerst beständig ist. Überdies sorgt die relativ
glatte Oberfäche (Ra = 2 µm) für einen geringeren Verschleiß
des Stators. Obwohl Keramik in etwa doppelt soviel wie Hastelloy kostet,
stimmt die Gesamtkalkulation trotzdem, weist ein Rotor aus Keramik doch
eine deutlich höhere Standzeit auf. Berücksichtigt man noch die Ausfallzeiten
für Reparaturen und Ausbau, wird schnell erkennbar, daß Keramik hier der
kostengünstigere Werkstoff ist.
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Keramik als Verschleißschutz
In Schüttgutanlagen ist Verschleiß an
der Tagesordnung. Rinnen und Rutschen, Übergabestellen, Trichter, Zyklone
und Rührwerke sowie Mischer sind nur einige Anlagenteile, die im Industriealltag
dem erhöhten Verschleiß und der Korrosion ausgesetzt sind. Auch verschlissene
Rohrbögen in pneumatischen oder hydraulischen Transportsystemen sind ein
bekanntes Bild. Lange Betriebsstillstandszeiten und Reparaturkosten sind
die Folge. Seit etwa 10 bis 15 Jahren ist man daher dazu übergegangen,
Anlagen in der Schüttguttindustrie zum Verschleißschutz mit keramischen
Materialien auszukleiden. Da meist große Flächen davon betroffen sind,
kommt fast ausschließlich das kostengünstige Aluminiumoxid zum Einsatz.
Für Rohre mit einem Innendurchmesser bis 200 mm werden isostatisch gepreßte
Aluminiumoxidrohre eingebaut. Speziell in den Rohrbögen und Vorverengungen
mit ihrer hohen erosiven Belastung und den hier auftretenden Verwirbelungen
hat sich die Keramik bewährt. Weniger beanspruchte gerade Rohrsegmente
werden aus Kostengründen häufig mit Schmelzbasalt belegt. Große Rohrdurchmesser
kleidet man mit angeschrägten Platten oder mit Keilsteinen aus. Um die
Handhabung zu erleichtern, gingen die Entwickler eine Allianz mit einem
ganz anderen Werkstoff ein: Keramikmosaike werden in Gummi galvanisiert,
die großflächigen Gummimatten lassen sich nun einfach montieren und schützen
vor Verschleiß. |
| Auch in der Vermahlung schätzt man den extrem niedrigen Abrieb sowohl
bei der Nach- als auch bei der Trockenmahlung. Daher werden Keramikliner,
-einsätze und -rührwerke nicht nur in rotierenden Kugelmühlen, sondern auch
in Vibrations-, Attritor- und Rotationsmühlen verwendet. In der Lebensmittel-
und Kosmetikindustrie werden keramische Auskleidungen und Mahlkugeln ebenfalls
bevorzugt, da sie einen minimalen und vor allem einen nichttoxischen Abrieb
aufweisen. |
Keramik und Sensoren
Immer häufiger werden keramische Werkstoffe für
Sensoren verwendet. In der chemischen Industrie sind keramische Sauerstoffsensoren,
die aus mit Yttriumoxid stabilisiertem Zirkonoxid bestehen, weit verbreitet.
Andererseits kann die Temperaturmessung nicht auf einen keramischen Schutz
verzichten, sind die Temperaturfühler doch in der Praxis oft rauhen Betriebsbedingungen
ausgesetzt. Ein äußeres Rohr schützt die sensiblen metallischen Fühler
gegen Druck, Strömung und Korrosion. Keramische Schutzrohre aus Aluminiumoxid,
in Sonderfällen auch aus Siliciumcarbid, werden vor allem bei Messungen
im Hochtemperaturbereich eingesetzt hier versagen metallische Werkstoffe.
Wegen ihrer Korrosionsbeständigkeit schützen die keramischen Werkstoffe
zunehmend auch bei in der Messung niedriger Temperaturen.
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Anwendungen in der Hochtemperaturtechnik
Siliciumkarbidkeramiken zeichnen
sich prinzipiell durch sehr hohe mechanische Belastbarkeit aus. Ihr Festigkeitspotential
halten sie auch bei sehr hohen Einsatztemperaturen (bis 1700°C)
sie bleiben also formstabil. Dadurch eignen sie sich für viele Konstruktionen
im Hochtemperaturbereich. Düsen, aber auch Wärmeaustauscher, die zweifelsohne
zu den wichtigen Aggregaten in der chemischen Verfahrenstechnik gehören,
sind Beispiele dafür. Gegenüber herkömmlichen Werkstoffen, wie Metall
oder Glas, weist ein keramischer Werkstoff noch mehr Vorteile auf. Er
widersteht nicht nur höheren Temperaturen, sondern ist zudem korrosionsbeständig.
Bei Wärmetauschern aus dem Werkstoff SiSiC sind über diese Eigenschaften
hinaus hohe mechanische Festigkeit und Abrasionsbeständigkeit wichtig.
Der große Vorteil: Abgastemperaturen können bis 1400°C voll ausgenutzt
werden. Dagegen müssen bei metallischen Wärmeaustauschern die Abgase mit
Kaltluft auf ein weniger kritisches Temperaturniveau gebracht werden.
Aufgrund der hohen Korrosionsbeständigkeit lassen sich die Verbrennungsabgase
zusätzlich unter den Taupunkt abkühlen. Keramische Wärmeträger eignen
sich daher nicht nur für den Hochtemperatureinsatz in Feuerungs- und thermischen
Nachverbrennungsanlagen, sondern auch für Anwendungsfälle, bei denen besonders
Korrosions- und Abrasionsbeständigkeit gefordert sind. |
| Bei vielen weiteren Anwendungen im Hochtemperaturbereich eignen sich keramische
Werkstoffe. Man greift daher für Ventilsitze, Filter oder Ventilatoren auf
Siliciumnitrid, Siliciumcarbid und Aluminiumoxid zurück.
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Ausblick: Weiter hohes Zukunftspotential
Die Beispiele zeigen, daß
sich Keramikwerkstoffe für viele Bereiche in der Chemietechnik hervorragend
eignen. Das größte Hindernis, das bislang noch viele Anwendungen blockiert,
ist die Sprödigkeit. Und auch die Herstellungskosten sind im Vergleich
zu Metallen oder Kunststoffen höher. Dennoch: Verschleißfestigkeit, mechanische
und thermische Stabilität sowie die Korrosionsbeständigkeit sind Eigenschaften,
die besonders in der chemischen Industrie gefragt sind. Infolgedessen
werden in Zukunft keramische Werkstoffe sehr viele Probleme lösen, bei
denen Metalle oder Kunststoffe die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreicht
haben. Mehr und mehr werden wir Keramik in Schlüsselpositionen antreffen,
die für die Funktion des ganzen technischen Systems bedeutungsvoll sind
oder diese sogar erst ermöglichen (Trouble-shooter-Funktion). |
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Informationszentrum Technische Keramik
Das Potential der technischen Keramik ist bei weitem
noch nicht ausgeschöpft: Kontinuierlich werden bekannte Werkstoffe verbessert,
neue Werkstoffe entwickelt und damit neue Anwendungen erschlossen. Die
Werkstoffe von heute sind nicht mehr mit den Materialien zu vergleichen,
die vor 10 oder 20 Jahren auf dem Markt waren. Wissenschaftliche Forschung
förderte das werkstoffkundliche Verständnis. Verbesserte und neue Fertigungstechnologien
brachten erhebliche Fortschritte. Das wesentliche Ziel aller Aktivitäten
des Verbandes der Keramischen Industrie e.V., Informationszentrum Technische
Keramik (IZTK), ist es, daß Hersteller, Konstrukteure, Anlagenbauer und
Anwender enger zusammenarbeiten. Nur durch multidisziplinäre Forschung
und Entwicklung sowie Einbindung aller Beteiligten in den Abstimmungsprozeß
lassen sich die hohen Erwartungen an die technische Keramik erfüllen.
Diese Zielsetzung unterstützt das IZTK durch fundierte und umfassende
Informationen über die Fähigkeiten und die Einsatzmöglichkeiten technischer
Keramik. |
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Graphik 2: Zukunftsträchtige Werkstoffbereiche (nach ADL, 1994). |
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| Veröffentlicht in Process 4/1999 |
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03. Juli 2003
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