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Keramik
Bauteile optimieren high tech Dieselmotoren
Keramik macht Druck
Erschienen in: VDI nachrichten am 17.03.2000 |
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Heizer mit keramischem
Träger bringen die Lambda-Sonde rasch auf Betriebstemperatur, Piezo-Sensoren steuern den
Airbag im Automobilbau hat die technische Keramik ihren festen Platz. Auch die
Hochleistungs-Dieselpumpen ('Common-Rail'), die bald Drücke bis zu 2000 bar erreichen
sollen, sind auf Keramik-Bauteile angewiesen.
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VDI nachrichten, Lambsheim,
Musste das neue Auto bislang immer nur schöner, größer und schneller sein, verlangt der
aufgeklärte Verbraucher heute vor allem ein sicheres und sparsames, also
umweltfreundliches Fahrzeug. Insbesondere sind verbrauchsgünstige Motore wie die modernen
Common-Rail-Diesel gefragt. Als vielseitig nutzbarer Werkstoff steht die Keramik hier
nicht nur als exotische Randerscheinung zur Debatte: "Viele der aktuellen
Innovationen im Motorenbau waren erst mit Hochleistungs-Keramiken zu realisieren,"
weiß Dipl.-Ing. Bernhard Kühn, Vertriebsleiter Automobil/Sondertechnik bei der CeramTec
AG. |
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| Doch es bestehen Akzeptanzprobleme bei der
Serieneinführung neuer keramischer Bauteile in für Keramik neuen Anwendungen: Das mit
hohem Aufwand entwickelte Keramikventil beispielsweise konnte sich in der Großserie
bislang noch nicht durchsetzen. Für Dipl.-Ing. Wulf Hoenen, Geschäftsführer im Verband
der Keramischen Industrie, erklären sich solche Verzögerungen unter anderem mit einem
traditionellen Denkmuster: "Manager in Entscheidungspositionen, aber auch viele
Konstrukteure denken zu häufig noch in Stahl und unterschätzen die Möglichkeiten der
technischen Keramik," bemängelt er. Als Verbandsgeschäftsführer darf er das sagen;
die Mitgliedsunternehmen selbst sind da natürlich verbindlicher. Bernhard Kühn äußert
sogar Verständnis für die Nöte der Automobilbauer: "Den status quo eines
freigegebenen Konstruktionsstandes ändert man für eine laufende Serie äußerst
ungern." Deshalb plädiert er für eine Zusammenarbeit mit dem Zulieferer bereits in
der Konzeptphase: "Wenn wir im Zuge einer Neuentwicklung unser Keramik-Bauteil
fertigungsgerecht integrieren können, lassen sich die Systemkosten optimieren,"
weiß er aus Erfahrung. |
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Und er liefert auch gleich zwei
Praxisfälle: Beispielsweise konnten bei elektrischen Benzinpumpen in
Peripheralrad-Ausführung nach einer entsprechenden Systemanpassung nicht nur das
Peripheralrad selbst, sondern auch die Seitenplatten aus dem Werkstoff Aluminiumoxid (Al2O3)
kostengünstig integriert werden. Aufgrund der Verschleißbeständigkeit, den guten
tribologischen Eigenschaften und der chemischen Beständigkeit bleibt eine derart voll
keramische Pumpenstufe praktisch unbeeindruckt davon, welche Kraftstoffqualität zum
Einsatz kommt. Global agierende Automobilhersteller wissen diesen Vorteil zu schätzen. |
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Auch bei Benzin- bzw. Dieselpumpen in
der herkömmlichen Zahnradausführung gibt es eindrucksvolle Argumente pro Keramik.
Hintergrund ist, dass die Oberflächen herkömmlicher Materialien (Kunststoffe wie auch
Metalle) sich unter dem Einfluss von Benzin bzw. Diesel verändern. Dipl.-Ing. Gerd Meier,
CeramTec-Produktmanager für Automobilkomponenten: "Speziell Biodiesel weisen recht
hohe Restsäuregehalte auf und greifen Metalle und vor allem auch Kunststoffe an."
Bislang muss dies bereits bei der Bauteil-Dimensionierung berücksichtigt werden. Hingegen
bleiben die Baumaße und auch die tribologischen Eigenschaften einer Aluminiumoxid-Keramik
auf Dauer konstant. Wichtig ist das mit Blick auf das Spaltmaß zwischen den kreisenden
Rotoren und dem Gehäuse dieser Spalt sollte möglichst klein bleiben. Denn kleine
Spalte bedeuten kleine Verluste und somit hohe Pumpenwirkungsgrade. Das ist nicht nur von
akademischem Interesse, ist doch der Pumpenwirkungsgrad maßgeblich für die Auslegung des
Pumpenantriebs. Meier: "Bei einem hohen Pumpenwirkungsgrad kann der Elektromotor
kleiner und damit kostengünstiger ausfallen." Natürlich sind die Keramik-Bauteile
etwas teurer als herkömmliche Werkstoffe. Doch weil die Pumpen auf ihren optimalen
Wirkungsgrad ausgelegt werden können, rechnet sich das: Das Gesamtkonzept 'Pumpe mit
Keramikbauteilen' ist insgesamt preisgünstiger. |
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Wer Großserienteile wie eine
Kraftstoffpumpe für den Automobilbau offeriert, darf jedoch nicht nur einen optimalen
Werkstoff anbieten. Er muss auch seine Fertigung entsprechend anpassen. Je nach
Komplexität des Bauteils und der Stückzahl ist das jeweils kostengünstigste Verfahren
zu finden zur Wahl stehen u.a. das Trocken- und Nasspressen oder das Spritzgießen.
Im allgemeinen versucht jeder Hersteller, die Nachbearbeitung möglichst zu minimieren.
Der keramische Spritzguss kommt mit vergleichsweise wenigen Bearbeitungsschritten aus, was
bei hohen Stückzahlen die Fertigungskosten oft entscheidend senkt: Auf leicht
modifizierten herkömmlichen Spritzgussmaschinen werden dabei keramische Materialien mit
Organikzusätzen ('Binder') verarbeitet. "Das Spritzgießen erlaubt uns wesentlich
höhere Freiheitsgrade bei der Formgebung, wir können damit kostengünstig auch komplexe
Teile herstellen," fasst Bernhard Kühn die Vorteile zusammen. In der Praxis
erschließt der keramische Spritzguss der Keramik somit nicht selten neue Einsatzfelder. |
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Beispielsweise bei der
Common-Rail-Technik: Wer schon eines der modernen Dieselmodelle fahren konnte, der weiß:
Die bärenstarken CDI- und TDI-Motoren bereiten unerhörten Fahrspaß. Und sie gehen dabei
ausgesprochen sparsam mit dem Kraftstoff um. Die Branche erwartet denn auch wachsende
Stückzahlen bei den speziell für die Common-Rail-Technologie entwickelten
Diesel-Hochdruckpumpen. Dabei sollen die Drücke bei der Dieseldirekteinspritzung weiter
ansteigen von derzeit 1500 auf 2000 bar. Treibende Kraft hinter dieser Entwicklung
sind die vom Gesetzgeber vorgegebenen, weiter sinkenden Schadstoffgrenzwerte für
Pkw-Abgase. Denn je schneller Kraftstoff durch die Öffnung einer Düse schießt, desto
feiner wird er zerstäubt. Das Diesel/Luft-Gemisch verbrennt dann gründlicher, sprich
sauberer. Und durch den wesentlich höheren Druck verbessert sich auch die
Zylinderfüllung, was wiederum den Wirkungsgrad und auch das Drehmoment verbessert. Die
Keramik ist daran nicht unerheblich beteiligt: CeramTec fertigt für die Hochdruckpumpen
Ventilplatten aus Siliziumnitrid. Meier: "Der Knackpunkt war die Zuverlässigkeit des
Bauteils, denn das Ventilplättchen schlägt mit hoher Frequenz und Druckbelastung auf dem
Ventilsitz auf. Allein Ventilplättchen aus dem leichten und formbeständigen
Siliziumnitrid halten dieser Belastung stand. Da macht kein anderer Werkstoff mit."
Siliziumnitrid, ausgestattet mit einer Biegefestigkeit von 750 MPa in Verbindung mit einer
Druckfestigkeit von 3000 MPa, einer Vickers-Härte von 1650 und einem Weibull-Modul von
12, ist für diese Anwendung geradezu prädestiniert. |
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Keramik, wohin man schaut: Ein
Siemens-Team hat für die Dieseleinspritzung einen Piezo-Antrieb vorgestellt. Diese
Technologie ist im Vergleich zu bisherigen elektromagnetischen Ventiltrieben vier mal
schneller und ermöglicht in Zukunft mit der Common-Rail-Technologie, den Treibstoff noch
präziser zu dosieren. Die Piezo-Aktoren sind als monolithische Vielschicht-Aktoren
aufgebaut und wandeln elektrische Spannung direkt in Kraft und Hub um (s. Info-Kasten).
Langlebigkeit und Zuverlässigkeit entsprechen den Anforderungen im Automobil. Dafür
vergab der VDI den Preis für 'Innovative Werkstoffanwendungen 1998'. |
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Was sind Piezokeramiken?
Es sind Werkstoffe auf der Basis von Bleizirkonattitanat
(PZT), die eine faszinierende Eigenschaft besitzen: bei Anlegen einer
Spannung reagieren sie mit einer Längenänderung (Aktor). Umgekehrt gibt
die Keramik ein elektrisches Signal ab, sobald Druck auf sie ausgeübt
wird (Sensor). Die Stellwege lassen sich für die Ausdehnung im Nanometerbereich
regulieren und die Reaktionszeiten dieser Bauteile sind mit unter 10 ms
extrem kurz. Durch Schichtaufbau erhöhen sich die Stellwege. Für großen
Hub werden monolithische Vielschicht-Aktoren benötigt. Diese werden aus
etwa 0,1 mm dicken Keramikschichten in einer speziell dafür entwickelten
Stapel- und Sintertechnik als bis zu 60 mm lange monolithische Bauteile
gefertigt. |
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03. Juli 2003
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