Keramikwerkstoffe im Maschinenbau: Pumpen
- Rohre - Düsen:
Keramik: Schneller Return-on-Investment
Hohes Verschleißschutz-Potential / Sprödbruchgefahr konstruktiv beherrschbar
von Dipl.-Ing. Martin Hartmann
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Bauteile aus keramischem Material sind teurer
als die entsprechenden Ausführungen aus Stahl oder einer anderen metallischen
Legierung. Doch gilt dies allein für die Investitionskosten: Aufgrund des
hohen Verschleißschutz-Potentials und der dadurch längeren Standzeit des
Keramik-Bauteils sinken nämlich die Stillstands- und Rüstzeiten meist deutlich.
Die Life-cycle-Kosten einer Keramik sind deshalb erheblich günstiger als
für andere Werkstoffe. In der Praxis spricht somit auch der Return-on-Investment
immer häufiger für den Keramik-Einsatz.
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| Vor noch nicht allzu langer Zeit wurde Keramik in der Öffentlichkeit als
Universal-Werkstoff zur Lösung beliebiger Aufgaben vorgestellt; Enttäuschung
war die Folge. Die überzogene Erwartungshaltung wurde mittlerweile durch
eine realistische Einschätzung ersetzt: Heute besinnt man sich auf die Stärken
der Keramik und will nicht mehr unbedingt jedes anstehende Materialproblem
lösen.
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Keramik: Erfolgreich als Funktions-Werkstoff
Und siehe da, es funktioniert Keramikwerkstoffe sind zum Problemlöser
geworden und haben im Anlagen- und Maschinenbau bei vielen Anwendungen
bereits heute einen guten Namen: Gleit-, Dicht- und Lagerelemente sowie
Düsen sind ohne Keramik kaum mehr denkbar, ist doch dieser Werkstoff bei
abrasiver und/oder korrosiver Beanspruchung das Material der Wahl. Auch
im Pumpen- und Armaturenbau und zur Auskleidung von Rohren empfiehlt sich
die Keramik wegen ihrer herausragenden Härte, Verschleißfestigkeit, Temperatur-
und Korrosionsbeständigkeit sowie spezieller funktionaler Eigenschaften.
Häufig kommen in diesen Fällen Verbund-Konstruktionen zum Einsatz. Als
generelle Konstruktionsziele sind dann zu beachten:
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Die vorteilhaften Eigenschaften der Werkstoffe nutzen, ohne daß
die nachteiligen Eigenschaften versagenskritisch werden.
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Krafteinleitung und Fügetechnik müssen den Werkstoffeigenschaften
entsprechen.
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Materialkombinationen mit Funktionstrennung verwirklichen, so daß
die Nachteile des einen Werkstoffes durch den anderen kompensiert
werden.
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Pumpen
Der Einsatzbereich von Keramik in Pumpen deckt ein weites Feld ab. Beim
Pumpenbau wird Keramik vor allem zur Lagerung und Abdichtung von Wellen
in Kreiselpumpen eingesetzt. Auch Laufräder sind oft aus Keramik gefertigt,
insbesondere dort, wo die Pumpen zur Förderung von feststoffbehafteten
Medien eingesetzt werden und/oder eine möglichst hoher Standzeit erreichen
sollen. Sind die Schleißwände (insbesondere in den Rückstauzonen) am Ein-
und Ausgang des Gehäuses verstärktem Verschleiß ausgesetzt, werden sie
durch konzentrische Keramik-Einschubteile verstärkt. Auch für Medien,
die keinesfalls belastet werden dürfen (Pharmazie, Lebensmitteltechnik),
sind Bauteile aus Keramik erste Wahl.
Insbesondere Siliciumcarbid hat wegen seiner hohen Verschleißfestigkeit,
der guten thermischen Leitfähigkeit und der chemischen Beständigkeit in
vielen Fällen Metalle ersetzt. Aus Siliciumcarbid werden beispielsweies
Spaltringe hergestellt, die als Verschleißschutz im Pumpengehäuse dienen.
Einen hohen Bekanntheitsgrad haben mittlerweile die Rotoren für Exzenterschneckenpumpen
aus massivem SiC, die beeindruckend kurze Return-on-Investment-Zeiten
aufweisen.
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Auskleidungen von Rohren und Rinnen
Ein breites Anwendungsgebiet hat sich in den letzten Jahren bei der pneumatischen
Förderung von Massenschüttgütern ergeben. Speziell in den Rohrbögen
wo der Verschleiß, bedingt durch die hohen Prallwinkel, sehr hoch ist
sind Rohrsegmente aus Aluminiumoxid die wirtschaftlichste Lösung.
In der Regel werden die geraden Strecken mit Schmelzbasalt, alle kritischen
Stellen wie Bögen, Verengungen, Weichen, usw. mit Al2O3
ausgekleidet. Daraus ergibt sich für das Gesamtsystem eine gleichmäßig
hohe Standzeit. Reparatur- und Inspektionskosten werden deutlich reduziert,
die Verfügbarkeit der Anlage ist deutlich besser. Die Anwendungen reichen
vom Transport von Schüttgütern und Schlacken bis hin zu Schiffsentladestationen
von Getreide. |
| Praxisbeispiel: Die Standzeit einer mit Keramik ausgekleideten Förderrinne
zum Transport von Hüttenkoks erreicht über sechs Jahre, das entspricht einem
Durchsatz von 250.000 bis 350.000 t. Stahlauskleidungen müssen bereits nach
sechs Monaten ausgetauscht werden. Ursachen hierfür sind die hohe Abrasivität
des transportierten Mediums, verbunden mit starker Korrosion (Arbeitstemperaturen
über 100°C, schweflige Dämpfe). Dagegen liegen die Kosten für die Keramikrinne
nur um den Faktor 1,5 bis 2 höher als für die reine Stahlrinne. |
Düsen
Wegen des hohen Widerstandes gegen abrasiven Verschleiß werden auch zur
Herstellung von Düsen keramische Werkstoffe verwendet. Anwendungsbeispiele
sind das Verdüsen von Kalkmilch bzw. Kalkmehl in Rauchgasentschwefelungsanlagen
(REA) und der Einsatz bei Luft/Feststoff- und Flüssigkeits/Feststoff-Gemischen
(Sandstrahlen). Eine interessante Entwicklung sind Wasserstrahldüsen zum
Trennen harter und zäher Werkstoffe. Bei einem Durchmesser bis 0,8 mm
werden Hartstoff/Wasser-Suspensionen mit einem Druck bis zu 4000 bar durch
die Düsen gepreßt. Die wichtigsten Keramikwerkstoffe für den Einsatz als
Düsen sind modifizierte Aluminiumoxide, Siliciumcarbid und Borcarbid. |
| Praxisbeispiel: In REA-Anlagen wird Kalkmilch transportiert und verdüst:
Sicherheit, hohe Stabilität sowie hohe Standzeiten sind gefordert
wegen des entsprechenden Revisionszyklus sind fünf Jahre Standzeit erwünscht.
Bewährt haben sich dabei Düsen aus einer Verbundkonstruktion mit Keramik-Inlet.
Eine solche Konstruktion mit Funktionentrennung bietet eine Reihe von Vorteilen:
Verschleißfestigkeit, Korrosionsbeständigkeit, kostengünstigere Bauteile,
leichter Austausch von einzelnen Funktionsteilen (Segmenten), mindestens
eine 10fache Standzeit. |
Gleit- und Dichtelemente
Bei der Herstellung von Gleitringen und Gleitringdichtungen finden keramische
Werkstoffe, z.B. Aluminiumoxid und Siliciumcarbid, vielseitige Verwendung.
Im Normalfall besteht der Rotor aus Keramik. Für den Stator kommen Phenolharze,
Hartkohle und Kohlewerkstoffe mit eingelagerten Metallen zum Einsatz.
Dieses Zusammenspiel zwischen den grundlegend verschiedenen Werkstoffen
garantiert eine ständige Anpassung des weicheren Materials im Dichtspalt,
wobei die Gleiteigenschaften genau aufeinander abgestimmt sein müssen.
Bei stark korrosiven Fördermedien ist es notwendig, daß beide Gleitelemente
aus keramischen Werkstoffen bestehen. Bei Gleitringdichtungen zeigt silicium-infiltriertes
Siliciumcarbid (SiSiC) wegen seiner guten Gleit- und Trockenlaufeigenschaften
die höchsten Standzeiten.
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Kugel-, Gleit- und Wälzlager
Wachsende Bedeutung gewinnen keramische Werkstoffe als Lagerwerkstoff.
Hier erschließt der Einsatz von Keramik neue Anwendungsgebiete, speziell
im Hochleistungsbereich: Formel-1-Rennwagen laufen ebenso mit Keramik-Wälzlagern
wie die Treibstoffpumpen der US-Raumfähre Space-shuttle. Die Vorteile
der Keramik sind hier ihre niedrige Dichte, die geringe Wärmeausdehnung,
hohe Härte und Warmfestigkeit, ihre gute Maßstabilität auch bei extrem
hohen Temperaturen, die sehr gute chemische Beständigkeit und der höhere
Elastizitätsmodul. Dadurch lassen sich Lager mit niedrigerem Gewicht,
höherer Steifigkeit, niedrigeren Fliehkräften und guten Not- und Trockenlaufeigenschaften
herstellen.
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Systemanalyse: Methode der Wahl
Keramische Bauteile, die z.B. als Auskleidungsmaterial im Verschleißschutz
verwendet werden, müssen eine Reihe von Anforderungen erfüllen (hohe Härte;
hohe Festigkeit, eventuell auch bei hohen Temperaturen; ausreichende Bruchfähigkeit;
hohe Verschleißfestigkeit; ausreichende Temperatur-Wechselbeständigkeit).
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Außerdem sind von Bedeutung:
- Kenntnis der Verschleißarten und der auftretenden Verschleißmechanismen
- keramikgerechte Konstruktion unter Berücksichtigung des Belastungskollektivs
- Einhaltung der erforderlichen Toleranzen.
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Bei der Diskussion über Verschleißprobleme ist auch immer zu berücksichtigen,
daß Verschleiß keine reine Werkstoffeigenschaft ist, sondern eine Systemeigenschaft
darstellt. 'Systemanalytisches Vorgehen' bedeutet: Nicht mehr das einzelne
Bauteil steht im Mittelpunkt, sondern die Gesamt-Funktion der Maschine oder
Anlage. Die Lösung eines Verschleißproblems erfordert deshalb stets die
gesamtheitliche Betrachtung des tribologischen Systems. Voraussetzungen
hierfür sind:
- Kenntnis der anwendungsrelevanten Eigenschaften des Verschleißschutz-Werkstoffs
- Beurteilung der vorliegenden Belastung: Mechanisch, thermisch, chemisch
- Einfluß der Eigenschaften des Prozeßgutes auf den Verschleiß
- Know-how in Konstruktion, Fertigung der Bauteile und Montage.
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Keramiken optimal integrieren
Der Ruf der Keramik, schon bei kleinsten Rissen zu fatalen Ausfällen
zu neigen (Sprödbruch) sowie dessen Thermoschock-Empfindlichkeit lassen
den Praktiker noch immer häufig Abstand nehmen. Dabei gilt doch, wie meist
in der Technik, auch für Keramiken: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Für
Keramiken heißt das konkret: Das Berücksichtigen des Sprödbruchverhaltens
bei der Konstruktion ist für die Anwendung von Keramiken der entscheidende
Parameter. |
| Darüber hinaus fällt der Verbindungs- und Fügetechnik bei der Integration
einer keramischen Komponente in ein technisches System eine entscheidende
Rolle zu. Es muß gelingen, das keramische Bauteil für alle Betriebssituationen
zuverlässig in das Gesamtsystem zu integrieren. Maßgeblich für die Wahl
der Fügetechnik sind neben der Art der Partnerwerkstoffe insbesondere das
Anforderungs-Profil an die Verbindung. |
| In praktisch allen Fällen steht des Verhalten der Funktionseinheit im
Vordergrund. Die eigentliche Aufgabe der Konstruktion besteht darin, die
plastischen, elastischen, thermischen und geometrischen Dehnungsunterschiede
zwischen der Keramikkomponente und dem Fügepartner beanspruchungsgerecht
aufeinander abzustimmen. |
| Bei Keramik/Metall-Verbindungen ist im allgemeinen der Ausdehnungskoeffizient
des Metalls deutlich höher als bei der Keramik. Mit steigender Temperaturdifferenz
zwischen der Füge- und der Anwendungstemperatur wachsen im Bereich der Fügestelle
aufgrund von Verformungsbehinderungen die Spannungen. Dies gilt für alle
Verbindungstechniken gleichermaßen. Können diese Spannungen nicht durch
formelastische Vorformungen oder durch formelastische Glieder abgebaut worden,
führen diese Spannungen zum frühzeitigen Versagen. |
| Da die keramischen Werkstoffe kein plastisches Verformungsvermögen zum
Abbau von Spannungsspitzen besitzen, muß diese Aufgabe von anderer Stelle
übernommen worden. Durch die gezielte Wahl der Fügepartner, eine Optimierung
der Geometrie der Fügeverbindung und geeignete Hilfswerkstoffe muß versucht
werden, vor allem die Zugspannungen in der Keramik möglichst klein zu halten
bzw. abzubauen. Hierbei sind die in Frage kommenden Betriebsbedingungen
besonders zu berücksichtigen. |
| Bei der Integration Keramik/Metall wird zwischen mechanischen Fügeverfahren,
die zu Form- oder Kraftschluß führen, und stoffschlüssigen Fügeverfahren
unterschieden. Unter die 'mechanischen Fügeverfahren' fallen das Einschrumpfen,
Eingießen, Klemmen, Stecken und das Schrauben; unter die 'stoffschlüssigen
Fügeverfahren' fallen das Löten, Schweißen, Kleben und das Kitten. |
| So steht für praktisch jeden Einsatzfall ein geeignetes Fügeverfahren
bereit. |
Fazit:
Ein Pumpen-Rotor aus Keramik, der sich in 73 Betriebstunden amortisiert;
Rinnen und Düsen, die bei nur etwa doppelten Investitionskosten
mit einer 10fachen Standzeit glänzen: Aufgrund des hohen Verschleißschutz-Potentials
und der dadurch längeren Standzeit von Keramik-Bauteilen sinken die Stillstands-
und Rüstzeiten meist deutlich. Der Return-on-Investment spricht in der Tat
immer häufiger für den Keramik-Einsatz. |
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| Veröffentlicht in Maschinenmarkt 47/1999 am 22.11.99
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03. Juli 2003
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