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Keramik-Anwendungen
im Fokus:
Verfahrensoptimierung mit maßgeschneiderten Werkstoffen
Erschienen in: chemieanlagen
+ verfahren (CAV); 08.2000 |
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Anlagenbetreiber
in der chemischen Verfahrenstechnik setzen schon heute überall
dort auf die Technische Keramik, wo Metalle oder Kunststoffe
wegen zu hohem Verschleiß versagen, die Temperaturbeständigkeit
nicht ausreicht oder das Medium zu korrosiv ist. Die Achema
2000 hat gezeigt, dass Ingenieurkeramiken weitere, überzeugende
Möglichkeiten zur Verfahrensoptimierung bieten. |
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Mit Blick auf die
chemische Verfahrenstechnik spielen keramische Werkstoffe ihre Vorteile
vor allem dort aus, wo es auf Temperaturfestigkeit sowie Beständigkeit
gegen Korrosion und Verschleiß bei gleichzeitig relativ niedrigem Gewicht
ankommt. Genutzt bzw. gefordert werden diese Eigenschaften beispielsweise
von Auskleidungen für Armaturen, Pumpen und Rohren, in der Filtertechnik
oder auch für Füllkörper bzw. bei Katalysatorträgern.
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Composit-Werkstoffe
Besondere
Erfolge verzeichnen zunehmend sog. Composit-Werkstoffe, wie
sie u.a. die Schunk Kohlenstofftechnik GmbH, Heuchelheim,
produziert. Eine der Besonderheiten bei diesem Anbieter ist
der Mischwerkstoff SiC30, eine Kombination aus Siliziumcarbid
(62 %) und Graphit (35 %). Den Anwendernutzen bringt Vertriebsleiter
Joachim Heym so auf den Punkt: "Unsere Entwicklungsingenieure
konnten die Produktvorteile beider Werkstoffe verbinden."
Mischreibungszustände, wie sie beispielsweise beim An- und
Abfahren von Pumpen auftreten, bleiben mit dem SiC30 sehr
gut beherrschbar. Zudem ist dieser Werkstoff thermoschockbeständig
(hohe Temperaturwechselbeständigkeit), chemisch weitestgehend
inert sowie blister-stabil (keine Blasenbildung an der Werkstoffoberfläche)
und abrasionsfest. Dieser Werkstoff eignet sich daher besonders
für Gleitringe und Lager beim Betrieb in nichtschmierenden
Medien.
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Auch
aufgrund solcher Spezialentwicklungen festigt sich offenbar bei immer mehr
Anwendern die Erkenntnis, dass der Werkstoff Keramik noch erhebliche
Potentiale aufweist – die Ingenieurkeramik hat gegenüber Metallen und
Kunststoffen in immer mehr Einsatzfällen die Nase vorn. "Unser Geschäft
läuft zur Zeit sehr gut," stellt denn auch Dr. Hans-Jürgen
Pohlmann, Geschäftsführer der TeCe GmbH, Selb, fest. Hintergrund seien
auch die Exporterfolge beispielsweise der Pumpenindustrie und der
Anlagenbauer aus dem Umfeld der chemischen Verfahrenstechnik.
„Entscheidend für unseren Markterfolg sind aber kurze Lieferzeiten, die
Einhaltung der zugesagten Liefertermine und natürlich eine hohe
Produktqualität“ |
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Erhöhte Standzeiten mit Keramikrotoren
Für
eine ganze Reihe von Konstrukteuren steht trotz aller charakteristischen
Werkstoffvorteile fest: Keramik hat ihren Preis und ihr Einsatz bedarf zum
anderen vieler konstruktiver Kompromisse. Ganz
gewiss ist es nicht sinnvoll, jedes dem Verschleiß unterliegende Bauteil
aus technischer Keramik zu fertigen. Wenn der Austausch eines Verschleißteiles
problemlos ist und insbesondere dabei die Produktion nicht gestört wird,
reichen herkömmliche Werkstoffe meist vollkommen aus. Anders ist die
Situation bei Bauteilen, die beispielsweise durch ihren hohen Verschleiß
in einem wesentlichen Ausmaß die Produktivität einer Anlage bestimmen:
"Wenn die Keramikversion materialbedingt teuerer sein sollte, dafür
aber eine mehrfache Standzeit bietet, dann darf man nicht nur den
Verkaufspreis sehen", stellt Dr. Pohlmann wohl zu Recht fest:
"In diesen Fällen sind es die Lifecycle-Kosten, die in Betracht zu
ziehen sind: Dann werden nicht nur die reinen Investitionskosten
betrachtet, sondern auch die Aufwendungen für An- und Abfahrzeiten sowie
für den Produktionsstillstand addiert." TeCe
hat bereits vor einigen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Pumpenhersteller
Netzsch mit der Entwicklung von Keramikrotoren für
Exzenterschnecken-Pumpen begonnen. Auf der Basis dieses Know-hows
offeriert der Keramik-Spezialist nun auch Schnecken für Extruder und
Spritzgussmaschinen aus unterschiedlichen keramischen
Hochleistungswerkstoffen. Günstig erweisen sich hier folgende
Eigenschaften der Keramik:
-
hohe
Härte und damit hoher Verschleißwiderstand,
-
gute
Beständigkeit gegenüber sauren/basischen Medien,
-
niedriger
Wärmeausdehnungskoeffizient und
-
niedriges
spezifisches Gewicht.
Und
man bietet jetzt auch verschleißfeste Keramik-Rotoren für Rührwerkskugelmühlen
an. Vorteil für den Anwender: Es ist ein metallabriebfreies Mahlen möglich,
was beim Zerkleinern beispielsweise von Farbpigmenten oder von
Nahrungsmitteln ein gewichtiger Pluspunkt ist. |
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Konstruktive Kompromisse
Und
wie sieht es mit den 'vielen konstruktiven Kompromissen' aus? So genannte
Kompromisse müssen oft dann gemacht werden, wenn eine 1:1-Umsetzung zuvor
metallischere Bauteile angestrebt wird.
Vom Grundsatz her gibt es aber einen besseren Weg: Jeder Werkstoff hat
seine Eigenheiten, die es zu beachten gilt. Werden die wenigen Grundregeln
für eine keramikgerechte Konstruktion beachtet, ist die Konstruktion mit
Technischer Keramik nicht schwieriger als der Umgang mit anderen
Werkstoffen. Für
den Erfolg ist allerdings die enge Zusammenarbeit zwischen
Keramikhersteller und Konstrukteur wichtig: Bereits in der Planungsphase müssen
Informationen über die genaue Funktion des zu entwerfenden Bauteils und
die Eigenschaften der in Frage kommenden keramischen Werkstoffe beschafft
werden. Die Machbarkeitsstudie sollte nicht nur die technischen
Randbedingungen, sondern auch den Kostenrahmen abstecken, um die Gefahr
von Fehlinvestitionen möglichst frühzeitig zu erkennen. |
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Keramische
Auskleidungen
Der
Geschäftsbereich Prozeßkeramik der CERA SYSTEM Verschleißschutz GmbH,
Hermsdorf, hat langjährige Erfahrungen in der Fertigung und im Vertrieb
von keramisch ausgekleideten Kugelhähnen. Bei diesen Armaturen sind die
Auskleidung im Bereich des Medienstroms und die Kugel inklusive der
Sitze aus Ingenieurkeramik (ZrO2, Al2O3)
gefertigt. Zum Einsatz kommen solche Kugelhähne überall in der
Verfahrenstechnik, wenn besonders abrasive und/oder aggressive Medien zu fördern
sind – also beispielsweise Polymermasse und Titandioxid in der Chemie,
Kalkmilch in Rauchgasentschwefelungsanlagen oder Kaolinzusätzen in der
Papierindustrie. Auch hier lohnt der Blick auf die Gesamtkosten einer
Armatur, wie CERA System-Geschäftsführer Helmut Burghardt betont:
"Ein Metallkugelhahn ist zwar um den Faktor 10 billiger. Aber medien-
und strömungsabhängig weist beispielsweise unser Keramik-Kugelhahn SSK
3100 eine bis zu 50 mal höhere Standzeit auf!" Kugelhähne SSK 3100
gibt es in den Nennweiten DN 25 bis DN 200 (PN 10, 16, 25 und 40) für
Temperaturen bis 180°C und Sonderausführungen bis 850°C. Gasdichte
Varianten sind ebenfalls verfügbar. Als größter Anbieter von
keramischen Kugelhähnen sieht Burghardt gerade in der Chemie einen
bedeutenden Markt: "Man kann sich Stillstandszeiten aufgrund von
Armaturendefekten ganz einfach nicht mehr leisten." Rainer
Steven, Vertriebsleiter der ETEC Gesellschaft für Technische Keramik mbH,
Siegburg, sieht das ähnlich: "Unsere Anwender keramischer Kugelhähne
wollen den Zeitraum zwischen zwei Instandhaltungen deutlich strecken –
nur so können sie beispielsweise Produktionsausfälle minimieren und bei
Personalkosten einsparen." Eine Besonderheit des Unternehmens sind
mit GFK ummantelte Keramik-Rohrauskleidungen – bei herkömmlich
ausgekleideten Stahlrohren ist die Keramik mit Kleber oder Mörtel
fixiert. Vorteile der GFK-Variante gegenüber dem ursprünglichen
Stahlrohr für den Anwender sind Gewichtsreduzierung um bis zu 60%
(Handling-Vorteil) für gleiche Einbaumaße und Maßhaltigkeit. |
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Keramische
Filterelemente
Die
herausragenden Eigenschaften von keramischen Membranen sind seit langem
anerkannt. Hohe thermische Stabilität, chemische Beständigkeit über
nahezu den gesamten pH-Bereich und Stabilität gegenüber bakteriellem
Angriff charakterisieren die keramischen Filtermaterialien. Dadurch ist
auch die Behandlung problematischer Medien möglich. Gegenüber
Polymermembranen sind – neben den erweiterten Einsatzgebieten – auch
die materialbedingten, sehr langen Standzeiten von Vorteil. Generell
zeigen sich die Keramik-Anbieter ausgesprochen optimistisch. Beispiel
Kerafol Keramische Folien GmbH, Eschenbach. Christian Münch sieht
"alle Bereiche stark wachsend". Freude macht offenbar
insbesondere der Anwendungsbereich Crossflow-Filtration mit den
Keramik-Rotationsfiltern TRF (turbulent flow): Hierbei wird nicht das
Medium über die Filteroberfläche geführt, sondern die Filter selbst
rotieren. Vorteil: Es sind Überströmgeschwindigkeiten von mehr als 10
m/s möglich, der erforderliche Energieeintrag zur Trennung ist geringer
als bei herkömmlichen Crossflow-Filtern. Die strömungsgünstigen
Keramikfilter weisen zudem eine sehr glatte Oberfläche auf. In Verbindung
mit weiteren strömungstechnischen Finessen wird so ein Festsetzen von
verblockenden Stoffen sicher verhindert. Darüber hinaus lassen sich
Keramikmembranen innerhalb des Prozess-Systems regenerieren, wie z.B.
durch Heißdampf-Sterilisation oder automatische Rückspülung.
Anwendungen für die Keramik-Membranen (gefertigt aus ZrO2, Al2O3,
MgAl2O4) finden sich beispielsweise bei der
Aufbereitung korrosiver Medien unter hohen Betriebstemperaturen und bei
der Emulsionsspaltung. Für variable Porengrößen (2 µm bis 7 nm) in
Kombination mit rotierenden sieht das Unternehmen erweiterte
Anwendungsbereiche. |
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Hohe Trennschärfe
Auch
die Rauschert Technische Keramik, Pressig, sieht Chancen in der
keramischen Nanofiltration. Die vom Unternehmen im Rahmen eines
BMBF-Verbundprojektes zusammen mit dem Hermsdorfer Institut für
Technische Keramik entwickelte Membran besitzt einen asymmetrischen
Multischichtaufbau: Auf einem grobporösen Träger aus reinem
Aluminiumoxid wird durch Sol-Gel-Technik eine Nanofiltrationsmembran aus
Titanoxid aufgebracht. Projektmanager Friedrich Moeller von Rauschert:
"Die Resonanz des Marktes auf unsere neue NF-Filtrationsmembran ist
sehr gut. Die Anwender schätzen die Vorteile wie hohe Temperaturbeständigkeit
bis 350°C, gute Korrosionsbeständigkeit, gute Lösemittelbeständigkeit,
die Verschleißbeständigkeit gegenüber abrasiven Medien und die scharfe
Trenngrenze bei 450 g/mol." Als Praxiseinsatz wird z.B. die Reinigung
farbstoffbelasteter Abwässer der Textilindustrie. Mögliche weitere
Applikationen sind die Teilentsalzung oder die Rückhaltung
hochmolekularer Tenside angegeben. |
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Fazit
Ingenieurkeramiken
eröffnen neue Möglichkeiten zur Verfahrensoptimierung. Wesentlich für
den erfolgreichen industriellen Einsatz von Hochleistungskeramiken ist
allerdings die ganzheitliche Betrachtungsweise:
Analyse der Aufgabe, Konstruktion, Werkstoffauswahl und Fertigung müssen
als geschlossene Prozesskette verstanden werden, wobei der Kontakt zum
Keramikhersteller frühzeitig gesucht werden sollte. |
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08. Januar 2004
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