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Keramik gewinnt als Konsturktionswerkstoff
an Bedeutung
Gezielter Einsatz an problematischen Stellen /
Vorteile: Härte und Korrosionsbeständigkeit
von Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 182, 9. August 1999, Seite
18
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abe. Frankfurt, 8. August. Obwohl es kaum
einen Zweig der Technik gibt, in dem Keramikprodukte nicht angewendet
werden, führt das vielseitige Material eher eine Existenz im Verborgenen.
Eingebaut in Maschinen und Anlagen übernehmen Bauteile der Sparte "Technische
Keramik" ihre Funktion oftmals in Schlüsselpositionen, zum Beispiel
als Isolator, Messfühler, Dichtscheibe, Ventilstößel oder Fadenführer.
Bei allen Anwendungen ist eine gewisse Festigkeit naturgemäß immer gefordert,
aber deshalb allein würde man Keramiken in der Konstruktion nicht einsetzen.
Es seien stets zusätzliche Eigenschaften wie Abrieb- und Korrosionsbeständigkeit,
thermische und elektrische Isolierfähigkeit, Hochtemperaturbeständigkeit
und geringe Dichte, die allein oder in Kombination den Einsatz sinnvoll
machen, heißt es vom Unternehmen Tekowe GmbH, Neuwied, tätig auf dem Gebiet
des Verschleißschutzes.
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Ein Beispiel: In der Produktion eines Wellpappeherstellers kann es
an einer bestimmten Stelle der Fertigung aufgrund der durchlaufenden Wellpappe
beinahe jede Woche zum Verschleiß eines Gleitbauteils kommen. Tekowe entwickelte
ein Verbundwerkstoff-Element, bei dem in einen Stahlträger Keramikplättchen
integriert wurden. An der kritischen Stelle läuft nun die Wellpappe nicht
mehr gegen Stahl, sondern gegen Keramik. Die Standzeit des Bauteils wurde
erhöht, die Stillstandzeiten der Maschinen gesenkt, die Betriebskosten
insgesamt reduziert.
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Im Vergleich zu anderen Konstruktionswerkstoffen spielen technische Keramiken
quantitativ eher eine kleine Rolle, gleichwohl haben sie sich ihren Anteil
im Markt erobert. Die Branchenzahlen spiegeln es wider: 1997 setzen die
in diesem Segment tätigen Unternehmen in Deutschland etwa eine Milliarde
DM um, mit einer leichten Steigerung von 1997 auf 1998 um gut 1,5 %; die
Exportquote beträgt 45 %. Die Zahl der Beschäftigten liegt konstant bei
ungefähr 7000. Der Weltmarkt für technische Keramik wird vom Verband der
Keramischen Industrie e.V. (Keramverband) auf mehr als 20 Milliarden DM
beziffert, etwa 15 % des gesamten Keramikmarktes. Im Verband sind nach
eigenen Angaben rund drei Viertel der auf diesem Gebiet tätigen Unternehmen
organisiert. |
Das Spektrum technischer Anwendung von Keramik ist breit. Im Maschinenbau
sind es vorwiegend Gleit-, Dicht- und Lagerelemente, Düsen, Ventile sowie
Sensoren und Aktoren. In Textilmaschinen wurde die Haltbarkeit von verschiedenen
Führungselementen deutlich verbessert. In der Verfahrenstechnik eignet
sich die Keramik als Katalysatorträger, als Füllkörper für Kolonnen sowie
als Filter und Membranen. Die Hochtemperaturtechnik nutzt Keramiken als
feuerfest Steine, Tragrollen, Brennhilfsmittel und Brennerdüsen. Die Elektronikindustrie
baut auf Piezokeramiken, Kondensatoren und Magnetkeramiken, während die
klassische Elektrotechnik keramische Bauteile in Hochspannungsisolatoren
sowie in der Schalt- und Sicherungstechnik kennt. In allen diesen Fällen
bewirkt der Einsatz keramischer Werkstoffe Vorteile gegenüber Metall,
oder eine Lösung ohne Keramiken ist überhaupt nicht möglich. |
"Fortschritte der vergangenen Jahre sind unter anderem durch Verbesserung
der Werkstoffe erzielt worden", sagt Martin Hartmann vom Informationszentrum
Technische Keramik und führt Aluminiumoxid an. Bei diesem seien beispielsweise
aufgrund besserer Pulver und Prozessführung die technischen Eigenschaften
des Werkstoffs gesteigert worden. Bisher ist es möglich, durch Pressen
von Aluminiumoxid Werkstücke in der maximalen Größe von 30 mal 30 Zentimeter
herzustellen; durch künftige Rohstoffverbesserung sind größere Teile denkbar. |
Der Maschinenbau sei ein Bereich der Technik, in dem Keramik in den vergangenen
Jahren besondere Zuwächse gewonnen habe, sagt Hartmann. die Verbreitung
als Konstruktionswerkstoff habe dort deutlich zugenommen. Zum einen führt
er das auf die verbesserten Werkstoffe zurück, aber auch auf eine wachsende
Bekanntheit von Ingenieurkeramik. Zudem würden die Anforderungen an Bauteile
immer höher, etwa in der Automobilindustrie. Immer mehr Bauteile dort
sollen leicht und verschleißarm sein. Und die Kosten? Auf den ersten Blick
kann ein Bauteil aus keramischem Material teurer sein als das vergleichbare
Element aus Stahl, sagt Hartmann. Betrachte man hingegen wegen der besseren
Haltbarkeit die Stillstand- und Rüstzeiten einer Maschinen, da der Vergleich
oftmals positiv für den Werkstoff aus. Allerdings sei eine keramikgerechte
Konstruktion notwendig. |
Ralf Diedel vom Forschungsinstitut für anorganische Werkstoffe GmbH in
Höhr-Grenzhausen sieht ein Marktpotential in der Entwicklung von Werkstoffverbunden,
also in Bauteilen, in denen die Keramik gezielt an besonders problematischen
Stellen verwendet wird. Denn in Zukunft gehe es darum, gerade die teuren
Werkstoffe, wie Keramiken, gezielter einzusetzen: Dabei werden sie je
nach Eigenschaften in ein gemeinsames Bauteil integriert; Keramik etwa
an den verschleißbedingten Problemzonen, sonst bleibt die Konstruktion
aus Metall bestehen. Weitere Bestrebungen zielen darauf, die Bruchzähigkeit
einer Keramik zu erhöhen, damit sie bei einer Biegebelastung nicht zu
schnell bricht. Auch wird versucht, die Korngröße des Ausgangspulvers
zu verringern, um eine noch intensivere Packung und ein noch besseres
Versintern zu erreichen. Die Keramik wird dichter und damit fester. |
In der Ingenieurausbildung müsse das Material stärker berücksichtigt
werden, heißt es vom Keramverband. Dort liegen die Schwerpunkte oftmals
bei Konstruktionswerkstoffen auf Metall- oder Kunststoffbasis. Wie diese
hat Keramik Vor- und Nachteile, mit denen man umgehen lernen muß, um sie
in Konstruktionen entsprechend zu berücksichtigen. |
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| Veröffentlicht in Frankfurter Allgemeine Zeitung
Nr. 182, 9. August 1999, Seite 18 |
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03. Juli 2003
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